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Wandern in Rumänien - Organisationshilfen
(Stand: September 2009)
Warum Wandern in Rumänien?
Rumänien - Heimat blutsaugender Vampire wie Dracula, drogensüchtiger Straßenkinder, beißwütiger Bären und Wölfe, korrupter Staatsorgane, klauender Zigeuner, Land mit kaputter Infrastruktur, vielen billigen Arbeitskräften - und jetzt auch noch Mitglied der EU???
Tatsächlich ist es eine Heimkehr nach Europa, wenn man aus den östlichen Nachbarländern nach Rumänien einreist. Der Reisende ist überrascht - traumhaft schöne Kulturlandschaften in der Moldau, der Bukowina und der Maramuresch, Dörfer, in denen der Mitteleuropäer die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder erkennt, Städte, in denen die Ceausescu-Ära wie eine Bombe zugeschlagen hat, in denen aber immer noch Baudenkmäler von der Romanik bis zum Jugendstil zu bewundern sind. Rund ein Zehntel der Bevölkerung, das sind etwa 3 Millionen Menschen, leben im Ausland, hauptsächlich in Italien, als billige Arbeitskräfte. Zurück bleiben oft Kinder und alte Menschen, die aber die Dörfer - mit Geld aus Italien - am Leben erhalten. Und in der Urlaubszeit sind alle wieder da, zu Verwandtenbesuchen, zu Familienfesten oder einfach zum Weiterbauen am neuen Haus. Dieses neue Haus ist häufig eine "Pensiunea" und verbessert damit die Infrastruktur auch für uns Wanderer.
Die Menschen sind freundlich, ja herzlich und hilfsbereit. Die Sehenswürdigkeiten wie die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Moldauklöster und Holzkirchen der Maramuresch, aber auch alte Stadtkerne und siebenbürgische Kirchenburgen sind gut präsentiert und gepflegt, Bären und Wölfe halten sich im Normalfall fern von den Wanderern, wunderschöne Wanderwege - fast immer ohne Markierung und Wanderkarte - laden zum Lustwandeln durch romantische Täler, über weite Hochweiden = poieni (sing. poiana) und durch unendlich große Wälder ein. Warum diese Wanderwege? Fußwege, Reitwege, Karrenwege dienen heute noch der Verbindung zwischen den Dörfern, den Einzelhöfen und den Almen! Gute Übernachtungsmöglichkeiten kann man in fast allen größeren Orten finden, die rumänische Küche ist bekömmlich, aber auch nahrhaft und schmeckt einfach gut. Die Versorgung ist sehr einfach, jedes kleine Dörflein besitzt einen Magazin Mixt, in dem es alles zum Kaufen gibt, was ein Wanderer braucht. Eisenbahn und Überlandbusse sind sehr preisgünstig und müssen leider der Liberalisierung Tribut zollen, aber Microbusse, private Kleinbusse, die bestimmte, meist kurze Linien fahren, haben sie weitgehend ersetzt. Und wo kein Microbus fährt, gibt es vielleicht ein Maxitaxi (etwa 5 RON/km) am Ort oder ein kostengünstiges normales Taxi (etwa 2 RON/km).
Was ist also dran an den Vorurteilen? Die Straßenkinder mag es vielleicht in Bukarest geben, die Bären gehen uns lauten Menschen gern aus dem Weg, viele Zigeuner (politisch korrekt: Roma) gibt es hauptsächlich in Siebenbürgen, wo viel Platz frei geworden ist infolge des wirtschaftlich bedingten Wegzugs Tausender mehr oder weniger Deutsch sprechender Menschen (Kohlseidank!), die Verwaltungsspitzen sind freundlich und zuvorkommend, Korruption? Wie in Deutschland .... Und natürlich gibt es viele Transformationsprobleme, wie in allen ehemals kommunistischen Ländern.
Anreise
Kostengünstig und schnell ist ein früh online gebuchter Flug mit Carpatair , die uns über den Umsteigeflughafen Temeschburg in jede größere Stadt bringt - leider nicht besonders klimafreundlich. Ein Flug mit German Wings mit Umsteigen in Bukarest (Achtung: Flughafenwechsel notwendig) und mit Tarom in die rumänische Provinz dauert mindestens 2 Tage. Genauso lang brauchen die Linienbusse von Atlassib und Eurolines Eurolines sowie die Eisenbahn (relativ teuer), wobei hier Komfort und Geschwindigkeit hinter Budapest sehr zu wünschen übrig lassen. In der jeweiligen Region kann man die wenigen Fernbusse benutzen oder die Fahrt aus mehreren Microbuslinien zusammenstückeln. Oder einfach den Daumen raus ...
Wandern, Planung, Karten
Es existiert ein dichtes Netz von Fußwegen, Reitwegen, Karrenwegen und Forstwegen, die fast alle als Wanderwege wunder- und wanderbar sind. Aber es gibt kein flächendeckendes rumänisches Kartenwerk im Maßstab 1 : 50 000 oder 1 : 25 000, das diese Wege zeigt. Einen großen Teil der rumänischen Karpaten deckt die ungarische Dimap-Wanderkarte in den unterschiedlichsten Maßstäben ab, erhältlich bei Wolfo Volland in der Slowakei oder bei Transilvaniatravel. Daneben gibt es einige wenige lokale Wanderkarten, z.B. die Karte des Wassertales bei Viseu de Sus oder die polnische Karte der Obcina Mare bei Sucevita. Die Höhenlinienabstände der meisten Karten betragen 50 m, so dass die Geländedarstellung sehr ungenau ist. Genauso wenig zuverlässig ist die Klassifizierung bzw. der Zustand der Wege. Für das Grenzgebiet zur Ukraine haben wir die amtliche ukrainische Karte 1 : 100 000, hier erhältlich, verwendet.
Für weite Gebiete gibt es keinerlei Karten. Hier empfiehlt sich das Arbeiten mit GoogleEarth. Da die Wege genutzt werden, sind sie mit GoogleEarth gut zu erkennen, per Mausklick auszumessen und im Luftbild zu markieren. Dieses Bild in ausreichender Größe, d.h. maximal etwa 5 km Strecke auf ein DIN A4-Blatt, in guter Qualität ausdrucken und wasserdicht in einer Kunststoffhülle verwahren, damit die "Karte" bei Regen nicht davonfließt. Anschließend die Koordinaten wichtiger Orientierungspunkte (Ausgangspunkte, Richtungsänderungen, Abzweigungen, Endpunkte usw.) notieren, Bemerkungen dazuschreiben und durchnummerieren. In dieser vorgegebenen Reihenfolge die Koordinaten der Wegpunkte in das GPS-Gerät eingeben. Wichtig: Auch das GPS-Gerät wasserdicht verpacken und genügend Ersatzbatterien mitnehmen. Bei Starkregen kommt nämlich Feuchtigkeit ins Gerät, so dass die Anzeige verfälscht wird. Außerdem rechtzeitig Batterien wechseln, denn eine geringe Batterieleistung führt ebenfalls zu Fehlanzeigen. Um nicht kiloweise Batterien tragen zu müssen, das Gerät immer nach der Navigation ausschalten, wenn es für einige Zeit nicht benötigt wird. Da eine Navigation im dichten Wald nicht möglich ist, sollte man immer die Richtung mit einem Kompass kontrollieren.
Unterkunft
In allen größeren Orten, oft aber auch in abgelegenen Seitentälern, gibt es Quartiere, die mitteleuropäischem Standard entsprechen. Größere Wandergruppen sollten vor allem im August die Quartiere reservieren lassen, grundsätzlich per E-mail mit Rückbestätigung, oft auch mit Anzahlung. Solowanderer (bitte nicht in Bärenreviere wandern!) und Paare kommen ohne Voranmeldung überall unter. Quartiere findet man über die Webseiten der Gemeinden, der Tourismusorganisationen und über Reservierungsdienste. Hier eine Auswahl:
Hotelreservierungsservice Cazari Viaromania Rotouring Cazareromania Tourismguide Turistinfo
Cazaremaramures Cazaremaramures.com Pensiune-maramures
Die reichhaltigste Rumänien-Seite im Netz: Karpatenwilli
Eine Wanderung von der Bukowina in die Maramuresch vom 8. bis 22.8.2009 (Wanderbericht mit Bildern und Links)