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Wandern in Rumänien - Organisationshilfen

(Stand: September 2010)

Warum Wandern in Rumänien?

Rumänien - Heimat blutsaugender Vampire wie Dracula, drogensüchtiger Straßenkinder, beißwütiger Bären und Wölfe, korrupter Staatsorgane, klauender Zigeuner, Land mit kaputter Infrastruktur, vielen billigen Arbeitskräften - und jetzt auch noch Mitglied der EU???

Tatsächlich ist es eine Heimkehr nach Europa, wenn man aus den östlichen Nachbarländern nach Rumänien einreist. Der Reisende ist überrascht - traumhaft schöne Kulturlandschaften in der Moldau, der Bukowina und der Maramuresch, Dörfer, in denen der Mitteleuropäer die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wieder erkennt, Städte, in denen die Ceausescu-Ära wie eine Bombe zugeschlagen hat, in denen aber immer noch Baudenkmäler von der Romanik bis zum Jugendstil zu bewundern sind. Rund ein Zehntel der Bevölkerung, das sind etwa 3 Millionen Menschen, leben im Ausland, hauptsächlich in Italien, als billige Arbeitskräfte. Zurück bleiben oft Kinder und alte Menschen, die aber die Dörfer - mit Geld aus Italien - am Leben erhalten. Und in der Urlaubszeit sind alle wieder da, zu Verwandtenbesuchen, zu Familienfesten oder einfach zum Weiterbauen am neuen Haus. Dieses neue Haus ist häufig eine "Pensiunea" und verbessert damit die Infrastruktur auch für uns Wanderer.

Die Menschen sind freundlich, ja herzlich und hilfsbereit. Die Sehenswürdigkeiten wie die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Moldauklöster und Holzkirchen der Maramuresch, aber auch alte Stadtkerne und siebenbürgische Kirchenburgen sind gut präsentiert und gepflegt, Bären und Wölfe halten sich im Normalfall fern von den Wanderern, wunderschöne Wanderwege - fast immer ohne Markierung und Wanderkarte - laden zum Lustwandeln durch romantische Täler, über weite Hochweiden = poieni (sing. poiana) und durch unendlich große Wälder ein. Warum diese Wanderwege? Fußwege, Reitwege, Karrenwege dienen heute noch der Verbindung zwischen den Dörfern, den Einzelhöfen und den Almen! Gute Übernachtungsmöglichkeiten kann man in fast allen größeren Orten finden, die rumänische Küche ist bekömmlich, aber auch nahrhaft und schmeckt einfach gut. Die Versorgung ist sehr einfach, jedes kleine Dörflein besitzt einen Magazin Mixt, in dem es alles zum Kaufen gibt, was ein Wanderer braucht. Eisenbahn und Überlandbusse sind sehr preisgünstig und müssen leider der Liberalisierung Tribut zollen, aber Microbusse, private Kleinbusse, die bestimmte, meist kurze Linien fahren, haben sie weitgehend ersetzt. Und wo kein Microbus fährt, gibt es vielleicht ein Maxitaxi (etwa 5 RON/km) am Ort oder ein kostengünstiges normales Taxi (etwa 2 RON/km).

Was ist also dran an den Vorurteilen? Die Straßenkinder mag es vielleicht in Bukarest geben, die Bären gehen uns lauten Menschen gern aus dem Weg, viele Zigeuner (politisch korrekt: Roma) gibt es hauptsächlich in Siebenbürgen, wo viel Platz frei geworden ist infolge des DM-bedingten Wegzugs Tausender mehr oder weniger Deutsch sprechender Menschen (Kohlseidank!), die Verwaltungsspitzen sind freundlich und zuvorkommend, Korruption? Wie in Deutschland .... Und natürlich gibt es viele Transformationsprobleme, wie in allen ehemals kommunistischen Ländern. Die Securitate? Vielleicht als Kontrolleure in den öffentlichen Verkehrsmitteln in Bukarest untergekommen: Unfreundlich, ohne Fremdsprachenkenntnisse, korrupt. Gezielt werden unwissende Touristen mit falschem oder ohne Fahrschein hereingelegt, auf Rumänisch beschimpft und abgezockt. Guter Rat: Immer den richtigen Fahrschein parat haben, kein Rumänisch verstehen (auch wenn man's kann), den Chef verlangen und die Telefonnummer des Verbraucherschutzes (ist in den Bussen und an den Fahrkartenkiosken ausgehängt) abschreiben. Dann geben die Aasgeier auf ...

Anreise

Kostengünstig und schnell ist ein früh online gebuchter Flug mit Carpatair , die uns über den Umsteigeflughafen Temeschburg in jede größere Stadt bringt - leider nicht besonders klimafreundlich. Ein Flug mit German Wings  mit Umsteigen in Bukarest (Achtung: Flughafenwechsel notwendig) und mit Tarom  in die rumänische Provinz dauert eventuell 2 Tage. Genauso lang brauchen die Linienbusse von Atlassib  und Eurolines Eurolines sowie die Eisenbahn (relativ teuer), wobei hier Komfort und Geschwindigkeit hinter Budapest sehr zu wünschen übrig lassen. In der jeweiligen Region kann man die wenigen Fernbusse benutzen oder die Fahrt aus mehreren Microbuslinien zusammenstückeln. Oder einfach den Daumen raus ...

Wandern, Planung, Karten

Es existiert ein dichtes Netz von Fußwegen, Reitwegen, Karrenwegen und Forstwegen, die fast alle als Wanderwege wunder- und wanderbar sind. Aber es gibt kein flächendeckendes rumänisches Kartenwerk im Maßstab 1 : 50 000 oder 1 : 25 000, das diese Wege zeigt. Einen großen Teil der rumänischen Karpaten deckt die ungarische Dimap-Wanderkarte in den unterschiedlichsten Maßstäben ab, erhältlich bei Wolfo Volland in der Slowakei oder bei Transilvaniatravel. Daneben gibt es einige wenige lokale Wanderkarten, z.B. die Karte des Wassertales bei Viseu de Sus oder die polnische Karte der Obcina Mare bei Sucevita. Die Höhenlinienabstände der meisten Karten betragen 50 m, so dass die Geländedarstellung sehr ungenau ist. Genauso wenig zuverlässig ist die Klassifizierung bzw. der Zustand der Wege. Für das Grenzgebiet zur Ukraine haben wir die amtliche ukrainische Karte 1 : 100 000, hier erhältlich, verwendet.

Für weite Gebiete gibt es keinerlei Karten. Hier empfiehlt sich das Arbeiten mit GoogleEarth. Da die Wege genutzt werden, sind sie mit GoogleEarth gut zu erkennen, per Mausklick auszumessen und im Luftbild zu markieren. Dieses Bild in ausreichender Größe, d.h. maximal etwa 5 km Strecke auf ein DIN A4-Blatt, in guter Qualität ausdrucken und wasserdicht in einer Kunststoffhülle verwahren, damit die "Karte" bei Regen nicht davonfließt. Anschließend die Koordinaten wichtiger Orientierungspunkte (Ausgangspunkte, Richtungsänderungen, Abzweigungen, Endpunkte usw.) notieren, Bemerkungen dazuschreiben und durchnummerieren. In dieser vorgegebenen Reihenfolge die Koordinaten der Wegpunkte in das GPS-Gerät eingeben. Wichtig: Auch das GPS-Gerät wasserdicht verpacken und genügend Ersatzbatterien mitnehmen. Bei Starkregen kommt nämlich Feuchtigkeit ins Gerät, so dass die Anzeige verfälscht wird. Außerdem rechtzeitig Batterien wechseln, denn eine geringe Batterieleistung führt ebenfalls zu Fehlanzeigen. Um nicht kiloweise Batterien tragen zu müssen, das Gerät immer nach der Navigation ausschalten, wenn es für einige Zeit nicht benötigt wird. Da eine Navigation im dichten Wald nicht möglich ist, sollte man immer die Richtung mit einem Kompass kontrollieren.

Unterkunft

In allen größeren Orten, oft aber auch in abgelegenen Seitentälern, gibt es Quartiere, die mitteleuropäischem Standard entsprechen. Größere Wandergruppen sollten vor allem im August die Quartiere reservieren lassen, grundsätzlich per E-mail mit Rückbestätigung, oft auch mit Anzahlung. Solowanderer (bitte nicht in Bärenreviere wandern!) und Paare kommen ohne Voranmeldung überall unter. Quartiere findet man über die Webseiten der Gemeinden, der Tourismusorganisationen und über Reservierungsdienste. Hier eine Auswahl:

Hotelreservierungsservice     Cazari       Viaromania         Rotouring      Cazareromania           Tourismguide     Turistinfo

Cazaremaramures      Cazaremaramures.com     Pensiune-maramures 

Die reichhaltigste Rumänien-Seite im Netz: Karpatenwilli

Das Wetter in Rumänien

Eine Wanderung von der Bukowina in die Maramuresch vom 8. bis 22.8.2009 (Wanderbericht mit Bildern und Links)

Eine Wanderung von der Maramuresch über das Rodna-Gebirge in die Bukowina vom 19.8. bis 3.9.2010 (Wanderbericht mit Bildern und Links)

Literatur

Remus, J. (2008): Der sanfte Flug der schwarzen Damen. Rumänische Rhapsodien; Wien - Großartige Stimmungsbilder aus Rumänien.

Stephani, C. (2009): Blumenkind; München - Der Roman über eine jüdische Familiengeschichte und das Zusammenleben der verschiedenen Volksgruppen in der Maramuresch und in der Bukowina, sehr dicht und spannend erzählt. Pflichtlektüre für jeden, der Nordrumänien besucht.

Wiesel, E. (1995): Alle Flüsse fließen ins Meer. Autobiographie; Hamburg - Die Lebensgeschichte des Friedensnobelpreisträgers 1986 aus Sighetu Marmatiei.

Wiesel, E. (2009): Die Nacht; Freiburg - Der Bericht über die Jahre 1944/1945, Elie Wiesels Deportation von Sighetu Marmatiei über die Konzentrationslager Birkenau und Auschwitz nach Buchenwald, wo er schließlich von den Amerikanern befreit wird.

Wiesel, E. (1990): Der Vergessene; Freiburg - Der Roman über eine jüdische Spurensuche in den Karpaten.

Schmitz, W. (2010): Das Karpaten-Projekt; Dortmund - Spannender Thriller, spielt in und um Kronstadt / Brasov.

Müller, H. (2010): Niederungen; München - Die Kindheit der Literatur-Nobelpreisträgerin 2010 im Banat.

Müller, H. (2009): Atemschaukel; München - Roman über die Deportation von deutschstämmigen Banatern in die Sowjetunion.

Schlatter, E. (2000): Rote Handschuhe; Wien - Roman über einen Schriftsteller in den Klauen der Securitate.

Sebastian, M. (2004): Der Unfall; Berlin - Roman über eine Liebesgeschichte im Bukarest der 1930er Jahre.

Hilsenrath, E. (2010): Die Abenteuer des Ruben Jablonski; München - Zeitgeschichte des 2. Weltkrieges und der Nachkriegsjahre in Form eine fantastischen Schelmenromans.

Cartarescu, M. (2009): Nostalgia; Frankfurt a. M.  - Roman über Kindheit und Jugend im Bukarest der 1960er und 1970er Jahre.

Wagner, R. (2007): Das reiche Mädchen; Berlin - Roman über die "Schuld" einer Nazi-Familie und die "Sühne" der Erbin, die sich für die Rechte der Zigeuner einsetzt. Daraus entsteht eine dramatische Lieb- und Hass-Geschichte.

Eminescu, M. (2004): Der Abendstern. Gedichte; Mainz - Gedichte des rumänischen Dichterfürsten zweisprachig Rumänisch und in deutsche Verse gebracht.